
Turniersieger bei den 14. Waldenbuch Open im Wettbewerb der Herren 60: Uli Schmidt von der Tennisabteilung des TSV Waldenbuch Alle Fotos: WH
„Der Ball prallt von ihren Schlägern ab, als ob er explodiert.“ Ganz so explosiv wie bei den French Open in dem mit Aktionsbildern von weltbekannten Tennisstars garnierten Werbespot eines Uhrenherstellers ging es bei den Waldenbuch Open 2026 nicht zu. Dennoch lässt sich sagen: Auch die 14. Ausgabe dieses bei sportlich ambitionierten Seniorinnen und Senioren aus Deutschland beliebten Turniers bot erstklassiges Tennis mit intensiven Ballwechseln.

Turniersiegerin im Wettbewerb der Damen 70: Marlies Danner (rechts) bei der Siegerehrung zusammen mit ihrer Finalgegnerin Cornelia Foerster
Die 150 Spielerinnen und Spieler (einschließlich der Teilnehmer an einem Wettbewerb im Mixed-Doppel) kamen diesmal aus sechs Bundesländern. Sie kämpften um Spiel, Satz und Sieg in den unterschiedlichen Alterskategorien. Fünf Konkurrenzen gab es für sportive Damen und acht für ambitionierte Herren. 88 Spielerinnen bzw. Spieler hatten einen Status in der Rangliste des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), neun von ihnen in den Top 10 und sieben in den Top 20. Für eine Premiere bei den Waldenbuch Open sorgte überdies bei den Damen 70 Marlies Danner, die Nummer 1 in der Rangordnung des DTB. Keine Premiere, aber doch ein seit mehreren Jahren fehlendes Highlight aus lokaler Sicht erlebten die Zuschauer im Wettbewerb der Herren 60 mit dem Turniersieg von Uli Schmidt.
Die 14. Waldenbuch Open boten den Besuchern aber nicht nur anspruchsvolles Seniorentennis, sie standen auch im Zeichen des Klimawandels. Hochsommerliche Temperaturen setzten insbesondere an drei der sechs Turniertage den Spielerinnen und Spielern zu. Das wirkte sich, je länger ein Match dauerte, in einigen Fällen auf die Leistungskurve aus. Trotz der Hitze gab es indes keine gravierenden Probleme, vor allem keine medizinischen Notfälle. Das spricht für die robuste Gesundheit der Turnierteilnehmerinnen und -teilnehmer und für deren Fitness. Mit Blick auf die Hitze hatten aber auch die Turnierveranstalter vorgesorgt – und einen speziellen Service im Angebot.

Valentin Schraub von der Turnierleitung als Wasserträger bei den 14. Waldenbuch Open: Eimer mit Wasser trugen an heißen Tagen zur Kühlung der Spielerinnen und Spieler bei Foto: WH
Wasserträger – so nannte man früher bei großen Radrennen wie der Tour de France die radelnden Helfer der Mannschaftskapitäne. Beim Waldenbucher Tennisturnier gab es diese Funktion im Sinne des Wortes: Mitglieder der Turnierleitung trugen Eimer mit Wasser auf die Plätze, damit die Spielerinnen und Spieler darin Handtücher oder andere Textilien eintauchen und damit Nacken, Gesicht oder andere Körperbereiche kühlen konnten. Das war eine der Maßnahmen, mit denen die Organisatoren versuchten, die Turnierspiele trotz der Hitze zu ermöglichen. Wer wollte, konnte sich zudem in einem kleinen Pool erfrischen. Außerdem setzte die Turnierleitung an den Tagen mit besonders hohen Temperaturen die Spiele bis 12:00 Uhr und dann erst wieder ab 16:00 Uhr an. „Dabei haben wir auch die Wünsche der Teilnehmer berücksichtigt“, berichtete Volker Deinaß als Sprecher der Turnierleitung, „insgesamt war die Hitze aber kein großes Thema für die Spielerinnen und Spieler.“ Trotz der Hitze, bilanzierte Volker Deinaß, „war es wieder ein Wohlfühlturnier“. Etwa 80 Prozent der Spielerinnen und Spieler sind Stammgäste bei den Waldenbuch Open.

Die besten “Achtziger” bei den 14. Waldenbuch Open: Turniersieger Gerd Eisberg (rechts) und Borwin Pittl (Platz 2, links)
Ihnen sagt nicht nur das Ambiente zu, sondern auch die Gelegenheit, wertvolle Punkte für die Rangliste zu ergattern. Das ist möglich, weil der sechstägige Kampf um Siege zur zweithöchsten nationalen Turnierkategorie des DTB gehört – ein Argument speziell auch für die höheren Altersklassen. So gab es in diesem Jahr bei den Waldenbuch Open erstmals einen Wettbewerb in der Kategorie „Herren 80“. Immerhin elf rüstige Senioren dieser Altersklasse nahmen an dieser Konkurrenz teil, in der sich am Ende Gerd Eisberg vom TC Rheindürkheim (Rheinland-Pfalz) über das Siegerpreisgeld von 100 Euro freuen konnte.
Anders als Gerd Eisberg, der nicht als Favorit in das Turnier gestartet war, waren die Perspektiven bei den Damen 65 und den Damen 70 klar zugeordnet. Regina Marsikova, (TC Blau-Weiss Weiher) die im Wettbewerb der Damen 65 antrat, und Marlies Danner (TSV Siegsdorf) bei den Damen 70 ließen keine Zweifel an ihrer Favoritenrolle aufkommen. Marlies Danner tat sich zwar in ihrem Auftaktmatch gegen Ingrid Kuehnemann (TC Weissach-Flacht) zunächst schwer. Nach einem 1:5-Rückstand im ersten Satz hatte die Nummer 1 der deutschen Rangliste aber ihre „Betriebstemperatur“ erreicht. Von da an gewann sie zwölf Spiele in Folge bis zum 7:5, 6:0-Endstand. „Ich bin am Tag vorher fünf Stunden im Auto gesessen“, berichtete Marlies Danner von ihrer Anreise nach Waldenbuch, „das war natürlich keine optimale Vorbereitung auf meinen Turnierstart.“ Bis zum Turniersieg spielte sie dann ihre Klasse aus.
Regina Marsikova, die 2025 nicht an den Wadenbuch Open teilnehmen konnte, weil sie sich kurz zuvor den rechten Arm gebrochen hatte, demonstrierte indes in ihren drei Matches vom ersten Ballwechsel an ihre Extraklasse. Die ehemalige Gewinnerin der French Open im Doppel siegte jeweils 6:0, 6:0. Gemessen an der Zahl ihrer Auftritte war sie damit die Spielerin mit den wenigsten Ballkontakten im Turnierverlauf, was mit Blick auf die Schonung ihres rechten Schlagarms hilfreich war. „Es tut schon noch weh“, sagte sie, „ich muss aufpassen, dass ich den Ball im richtigen Moment treffe.“ Der komplizierte Bruch direkt oberhalb des Handgelenks war operiert und mit drei Schrauben stabilisiert worden, deswegen konnte Regina Marsikova nahezu ein Jahr lang nicht Tennis spielen. Erst vom Mai 2026 an hatte sie ihre Mannschaft vom TC Weiher wieder verstärkt, in Waldenbuch aber anders als in den Vorjahren auf die Teilnahme an der Konkurrenz der Damen 60 verzichtet. „Ich wollte kein Risiko eingehen, weil bei den Damen 60 die Konkurrenz doch noch stärker ist. Deshalb habe ich hier in meiner Alterskategorie gespielt“, erläuterte sie ihre Entscheidung.
Uli Schmidt war in seinen Matches bei den Herren 60 von Beginn an gefordert, er konnte sich nicht schonen. Mit Ausnahme des ersten Duells gegen Karsten Born vom VfL Sindelfingen (4:6, 6:2, 10:7) setzte sich der Spieler von der Tennisabteilung des TSV Waldenbuch aber jeweils in zwei Sätzen durch. Das galt auch für das Finale gegen den an Position 1 gesetzten Uwe Fritz (TA SG Bettringen), den er mit 6:3, 7:5 besiegte. „Es wurde auch mal Zeit“, freute sich der Lokalmatador über den Turniersieg. Eine Gelegenheit dazu hatte sich Uli Schmidt schon 2025 bei den Waldenbuch Open aufgetan. Da hatte er ebenfalls das Finale erreicht, konnte aber wegen einer unaufschiebbaren Flugreise nicht mehr zum Endspiel antreten. Seitdem galt für ihn das Motto: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Die Siegerliste der 14. Waldenbuch Open 2026
Herren 40
Finale: Andreas Hornbacher (TA SG Bettringen) – Andreas Beck (TC Weilheim) ohne Spiel, Beck aus persönlichen Gründen nicht angetreten.
Herren 50 (Gruppen)
Finale: Gustavo Perziano (TEC Waldau Stuttgart) – Thomas Randel (Tennis-Club Durlach/Baden) 6:3, 7:5.
Spiel um Platz 3: Gregor Warneke (TA TSV Waldenbuch) – Michael Pfeiffer (TA TV Bissingen/Teck) 6:3, 6:3.
Damen 50 (Gruppen)
Finale: Sibylle Elsland (TC Doggenburg Stuttgart) – Sandra Jachmann (TA SV Böblingen) 6:4, 6:1.
Herren 55
Finale: Andreas Brandt (TC Markwasen Reutlingen) – Andreas Breitrück (TC Bad Vilbel/Hessen) 6:2, Aufgabe Breitrück wegen Adduktorenzerrung.
Herren 60
Finale: Uli Schmidt (TA TSV Waldenbuch) – Uwe Fritz (TA SG Bettringen) 6:3, 7:5.
Damen 60
Finale: Christina Wolf (TC Hainstadt 1959/Hessen) – Stefanie Jäger (TA SV Böblingen) 6:4, 6:2.
Herren 65
Finale: Udo Betz (TC Wolfsberg Pforzheim) – Ulrich Reinke (TA TSCH Esslingen) 3:6, 6:4, 10:5.
Damen 65 (Gruppen)
Siegerin: Regina Marsikova (TC Blau-Weiss Weiher/Baden)
Platz 2: Cornelia Keller (TC Weiss-Rot Stuttgart)
Platz 3: Angelika Strese (TC Maichingen)
Herren 70
Finale: Hermann Kapfer (1. FC Sachsen/Bayern) – Willy Scheurer (TC Wolfsberg Pforzheim) 6:3, 6:3.
Damen 70 (Gruppen)
Finale: Marlies Danner (TSV Siegsdorf/Bayern) – Cornelia Foerster (HTC Bietigheim) 6:4, 6:3.
Herren 75
Finale: Jürgen Hartmann (TC Wolfsberg Pforzheim) – Johann Kreidl (VfL Waldkraiburg/Bayern) 6:0, 6:0.
Damen 75 (Gruppen)
Finale: Sonja Hentschel (TEVC Kronberg/Hessen) – Hildegard Popp-Ginsbach (MTTC Iphitos München/Bayern) 6:1, 6:2.
Herren 80
Finale: Gerd Eisberg (TC Rheindürkheim/Rheinland-Pfalz) – Borwin Pittl (ETV Nürtingen) 6:3, 6:3.
Mixed 50 Doppel
Finale: Michael Reuter/Angelika Strese (WTB/WTB) – Andreas Müller/Regina Marsikova (WTB/BAD) 4:6, 7:5, 10:4.


